Bezirksgruppe Baden-Württemberg
Veranstaltungsberichte aus der Bezirksgruppe im Jahr 2003
Rückblick  
30. November 2003

Adventstee im Hause Heyking

Ein festes Datum im Veranstaltungsplan der Bezirksgruppe ist der Adventstee im Hause von Baron Arvid und Baronin Monika v. Heyking. Regelmäßig geben sich zahlreiche Balten aller Generationen ein Stelldichein, was an sich schon für die Beliebtheit dieses Treffens spricht. Am 30. November 2003 gab es einen weiteren Beweis für den stets steigenden Erfolg dieses Treffens. Wieder war eine große Schar Gäste bei Heykings versammelt, selbst aus Kanada war man angereist, und die allerjüngste Teilnehmerin hatte darauf bestanden, bereits mit drei Monaten an diesem Tage in die Runde eingeführt zu werden, was sie sichtlich genoß.

Bei weihnachtlichem Gebäck, von der Hausfrau selbst zubereitet, sowie Kaffee und Tee in nicht enden wollenden Mengen, saß man bei fröhlichem Gespräch beisammen. Zwischendrin las Herr René v. Samson eine kurze vorweihnachtliche Geschichte vor, anschließend wurden vorweihnachtliche Lieder gesungen, begleitet auf der Querflöte von Frau Kirsten v. Samson. So klang das Jahr fröhlich und besinnlich zugleich aus, und alle waren sich einig, daß schon jetzt feststand, was man am 1. Advent 2004 unternehmen werde.

René Samson

21. September 2003 Bezirksversammlung in Stuttgart  
24. August 2003

Besichtigung des Schlosses Bruchsal

Bei herrlichem Wetter trafen sich 16 Erwachsene und 6 Kinder am frühen Nachmittag eines spätsommerlichen Sonntags vor dem Schloß Bruchsal, um sich über die Geschichte der Erbauung und Nutzung dieses Residenzschlosses umgehend informieren zu lassen. Eine zügige, kurzweilige Führung vermittelte einen guten Eindruck in die schon zur Zeit des Baus, Aus- und Umbaus des Schlosses existierenden Probleme von architektonischen Lösungen sowie der Beschaffung geeigneter Materialien und der Finanzierung dieser. Auch die Kinder staunten über die perspektivisch raffiniert gestalteten Deckenmalereien im kaiserlichen Empfangssaal, die diesem zentralen Raum des Schlosses einen besonderen Charakter verleihen. Direkt im Anschluß an die Besichtigung der Schloßräume hatten wir dann Gelegenheit die weltberühmte Musikautomatensammlung unter fachkundiger Erläuterung und Führung kennenzulernen, die ihre Heimat im Untergeschoß eines Nebenflügels des Bruchsaler Schlosses hat. Angefangen von den Schwarzwälder Kuckucksuhren, über diverse Drehorgeln bis hin zu vollautomatischen Musikorchester-Automaten vom Ausmaß kleiner Container, bietet das Museum ein hochinteressantes Spektrum der Technologie maschinell erzeugter Musikmelodien. Am 6. Dezember 2003 wird diese Ausstellung eine Neueröffnung erfahren und ab diesem Zeitpunkt die größte Ausstellung dieser Art weltweit repräsentieren, deren Besuch in jedem Fall lohnend und unterhaltsam ist. Nach rd. 11/2 Stunden intensiver Informationsaufnahme folgten wir gerne der freundlichen Einladung des Ehepaars v. Bienenstamm zu Erfrischungen, Kaffee und Kuchen in deren Privathaus in Bruchsal, denen an dieser Stelle nochmals unser besonderer Dank für die perfekte Gastfreundschaft ausgesprochen werden soll. Bei angeregten Gesprächen in munterer Runde klang dieses gelungene Treffen der Bezirksgruppe dort mit dem festen Vorsatz aus, Ähnliches gerne zu wiederholen.

Eckhart v. Sass

18. Mai 2003

Helmut Scheunchens Vortrag über deutschbaltische Musik im Hause v. Samson-Himmelstjerna in Stuttgart

Kaum einer von uns konnte sich wohl wirklich etwas unter dem Begriff "deutschbaltische Musik" vorstellen, und so waren wir alle sehr gespannt, als wir uns am 18.5.2003 im Hause v. Samson zum Vortrag zusammenfanden. Prof. Helmut Scheunchen, selbst Musiker und als Cellist bei den Stuttgarter Philharmonikern, führte uns sofort in medias res mit einer Hörprobe auf CD. Der erste Eindruck war so schön, daß wir nun besonders aufnahmebereit waren für die Geschichte(n) über die baltischen Musiker, die uns Prof. Scheunchen vorstellte. Klänge von August Heinrich von Weyrauch beispielsweise erinnerten manches Mal an Schubert-Lieder, dann wieder an Sonatinen von Beethoven, und es gab reges Interesse in der Zuhörerschaft, die von Scheunchen als Demonstrationsobjekt mitgeführte CD, die er mit dem Stuttgarter Ensemble "Malinconia" eingespielt hatte, käuflich zu erwerben, was leider nicht möglich war. Zum Trost wurde uns jedoch ein ganzes Konzert in Aussicht gestellt! In dem von Scheunchen erarbeiteten Lexikon sind sie alle vertreten, die adeligen wie die nichtadeligen, die "Profimusiker" wie die "Liebhaberkomponisten", die gebürtigen Balten wie diejenigen, die "nur" ihre musikalische Karrierezeit im Baltikum absolvierten. Dort war die Atmosphäre für eine blühende Musiklandschaft besonders günstig, denn die Nahtstelle zwischen Preußen und dem Russischen Reich bot besonders gute Bedingungen für ein qualitativ hochwertiges kompositorisches Schaffen, in welchem sich Einflüsse aus deutschen Landen mit der russischen Schule verbanden. Der Nähe zum Zarenreichs mit seinem für das 19. Jahrhundert vergleichsweise liberalen, frauenfreundlichen Erziehungswesen ist es wohl zu verdanken, daß relativ viele Frauen - Scheunchen kann 40 Komponistinnen nachweisen - es zu musikalischer Meisterschaft brachten. Manch einer der Vortragsteilnehmer konnte seine Überraschung nicht verbergen, eine Ur-Ur-Großmutter in Scheunchens Lexikon zu finden, oder aber war, wie im Falle des berühmten Friedrich August v. Nottbeck, begeistert, die im Familienkreis kolportierte Kompositionsleidenschaft des Vorfahren "live" auf CD hören zu können.

Gerade der baltische Adel stand von je her den Künsten sehr aufgeschlossen gegenüber und betätigte sich nicht nur auf dem Gebiet der Literatur, sondern auch auf dem der Musik gern und viel. Stark vertreten unter den deutschbaltischen Musikern sind erwartungsgemäß besonders männliche, adelige "Liebhaberkomponisten", die für den Hausgebrauch auf den großen Gütern komponierten. Diese Gesetzmäßigkeit erlaubte es Scheunchen, die einzelnen Familienverbände direkt anzuschreiben und dort um Mitarbeit bei der Erfassung noch vorhandener Noten und Partituren zu bitten. Die Ausbeute aus den privaten Nachlässen war beträchtlich, aber auch aus lettischen und estnischen Archiven konnte Scheunchen reiche Ernte einfahren. Viele der dortigen Archivdirektoren sind erst durch die hartnäckige Wühlarbeit des Stuttgarters auf den reichen Schatz aufmerksam geworden, der in ihren Schränken schlummert, und haben ihrerseits nun Forschungsprojekte zum Musikschaffen des 19. Jahrhunderts und damit auch zum Einfluß der Deutschbalten in diesem Bereich angeregt. Bestürzung löste Scheunchens Klage aus, daß die bereits in Archiven wie etwa dem "Institut für Ostdeutsche Musik" in Bergisch Gladbach erfassten Handschriften durch Schließung der Archive seitens der chronisch unterfinanzierten Bundesregierung in großer Gefahr sind und nun in oftmals feuchten Fabrikräumen auf Asyl warten. Bei Kaffee und Kuchen im Anschluß an den Vortrag war man sich jedenfalls einig, daß Handlungsbedarf besteht. Hier gäbe es vielleicht für den Verband der Baltischen Ritterschaften die Möglichkeit, als Bewahrer der baltischen Kultur ganz praktisch tätig zu werden und eine bleibende Heimat für die alten Handschriften zu schaffen?

Kerstin v. Lingen

 
05.04.2003

Bezirksgruppenball im WAC in Stuttgart

Kein Bericht, aber einige fotografische Impressionen vom diesjährigen Bezirksgruppenball in Stuttgart.

08.03.2003

"Drei Mal Leben" - Ein Theaterbesuch in Bruchsal

Eigentlich ein ganz normaler Abend: Henri, Astrophysiker und verheiratet mit der ehrgeizigen Juristin Sonja, hat gerade den sechsjährigen Sohn Arnaud ins Bett gebracht. Doch es gibt ein Problem: Arnaud will einen Keks. Obwohl die Zähne bereits geputzt sind. Und während sich in Henri Mitleid mit dem Kind regt, bleibt seine genervte Mutter hart. Zündstoff genug für einen deftigen Schlagabtausch. Doch der wird plötzlich und unerwartet unterbrochen: Es klingelt. Mitten in die Szene platzen der großspurige Wissenschaftskollege Hubert und seine naive Frau Inès. Eine unangenehme Überraschung, denn Henri und Sonja haben die Gäste erst für den kommenden Abend erwartet. Die Gastgeber sind nicht angekleidet, statt des sorgfältig zusammengestellten Menüs gibt es Knabbereien, Arnaud quengelt unüberhörbar. Peinlich genug! Und zu allem Überfluß erwähnt Hubert einen gerade erschienenen Fachartikel zu eben dem Thema, mit dem sich Henri seit drei Jahren befasst hat, um endlich seinerseits eine Arbeit darüber zu veröffentlichen – wofür er auf die Protektion durch Hubert gehofft hatte. Das Debakel ist unausweichlich – so oder so: In ihrem Stück „Drei Mal Leben“ zeigt die Bühnenautorin Yasmina Reza drei Wege in die Katastrophe. Dabei bedient sie sich eines originellen Kunstgriffs: Sie zeigt uns die Geschichte in drei verschiedenen Versionen. Durch kleine Veränderungen in der Konstellation, im Auftreten der vier Handelnden, in Blicken oder Äußerungen verändern sich die Reaktionen, verschieben sich die Konstellationen und werden scheinbare Wahrheiten zur fragwürdigen Fassade. Von Mal zu Mal werden die Versionen schärfer, härter, abgründiger. Schließlich ist nichts, wie es anfangs schien: Auch das unterwürfige Weichei Henri kann es auf einmal mit dem zynischen Macho Hubert aufnehmen, weder Inès ist so naiv, noch Sonja so selbstsicher, wie sie sich am Anfang gaben. Dieses interessante und amüsante Stück sah die Bezirksgruppe Baden-Württemberg am 8. März 2003 an der Badischen Landesbühne in Bruchsal. Das an sich schon großartige Erlebnis wurde gekrönt durch die Mitwirkung unseres Mitglieds Philipp Baron v. Mirbach, der als narzisstischer Intellektueller Hubert brillant agierte. Kein Wunder, dass er mittlerweile an das Stadttheater Heilbronn berufen worden ist. Zum Ausklang des Abends saß man bis tief in die Nacht zusammen und erfuhr noch so manches aus der Welt des Theaters, wo auch nicht alles so ist, wie es dem Laien erscheint...

Die Autorin Yasmina Reza

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